Temperaturstress bei Aufzuchtkälbern

Sowohl Kälte- als auch Hitzestress können das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kälbern erheblich beeinträchtigen. In beiden Fällen ist eine bedarfsgerechte Wasserversorgung entscheidend, um Stoffwechselstörungen zu vermeiden und die Gesundheit der Tiere zu gewährleisten.

Wasserversorgung im Winter

Kalb im Iglu beim Schneewinter

Viele Landwirte zögern, ihren Kälbern im Winter Wasser anzubieten, da dieses schnell gefriert. Ein weiterer Grund ist, dass sie annehmen, der Flüssigkeitsbedarf der Kälber sei durch die Milch gedeckt. Die Literatur zeigt jedoch, dass eine ausreichende Wasserversorgung gerade bei kalten Temperaturen entscheidend für das Wachstum und die Energiebilanz ist.

Trockene Luft: Die kalte Winterluft ist sehr trocken. Wenn man den Atem des Kalbes sieht, dann ist das die Feuchtigkeit, die den Körper verlässt.

Das Kalb atmet trockene Luft ein und feuchte Luft aus. Das führt zu einem ständigen Wasserverlust über die Atmung. Dadurch verliert es mehr Körperwasser als bei wärmeren Luftbedingungen, wie sie im Frühling oder Sommer herrschen.

Kälber benötigen Wasser, um diesen Verlust auszugleichen und ihre Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten.

Wasser als Energiesparmaßnahme. Im Winter haben Kälber einen erhöhten Erhaltungsbedarf, um ihre Körpertemperatur zu halten. Die Art der Wasserversorgung beeinflusst diese Energiebilanz direkt: Trinkt ein Kalb eiskaltes Wasser, muss es körpereigene Energie aufwenden, um das Wasser im Körper auf Körpertemperatur zu erwärmen.

Diese Energie steht dann für Wachstum und das Immunsystem nicht zur Verfügung.

Das Anbieten von warmem Wasser (ca. 39 °C oder zumindest 16–18 °C) reduziert den Energieverlust der Kälber und spart Futter. Es ist eine der kostengünstigsten Methoden, um Kälber im Winter energetisch zu unterstützen.

Die Temperatur des Trinkwassers scheint das Trinkverhalten und die Leistungsfähigkeit der Tiere zu beeinflussen. Haben Kälber die Wahl zwischen verschiedenen Wassertemperaturen, bevorzugen sie Wasser mit moderaten Temperaturen (17 bis 28 °C) gegenüber sehr kaltem oder sehr heißem Wasser.

Der „Rumen-Schock” und die innere Heizung. Die Aufnahme von festem Futter (Starter) ist im Winter besonders wichtig, da bei der Fermentation im Pansen Wärme produziert wird. Der Pansen wirkt also wie eine innere Heizung für das Kalb. Studien zeigen jedoch, dass das Trinken von kaltem Wasser (ca. 8 °C) die Temperatur im Pansen drastisch senken kann.

Es dauert bis zu einer Stunde, bis die Pansenmikroben wieder ihre normale Arbeitstemperatur erreichen. In dieser Zeit sind Verdauung und Wärmeproduktion gehemmt.

Kälber fressen nur ausreichend Starter, wenn sie dazu Wasser trinken. Fehlt das Wasser (weil es gefroren ist), sinkt die Futteraufnahme und das Kalb friert schneller.

Praxis-Tipps für das Wintermanagement. Um die Wasseraufnahme bei Frost zu sichern, werden folgende Strategien empfohlen: - Warm anbieten: Studien aus Finnland zeigten, dass Kälber, denen warmes Wasser angeboten wurde, über die gesamte Aufzucht hinweg mehr tranken als Kälber, die kaltes Wasser erhielten. Huuskonen et al. Effect of drinking water temperature on water intake and performance of dairy calves. Journal of Dairy Science, 2011, 94:2475-2480.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Bieten Sie warmes Wasser (ca. 30–38 °C) direkt nach der Milchmahlzeit oder etwa 30–60 Minuten danach an. Die Kälber lernen schnell, das Wasser zu trinken, bevor es gefriert.

Tränken und Leeren. Bei dieser bewährten Methode wird den Kälbern warmes Wasser angeboten. Die Kälber trinken, und nach einer gewissen Zeit (z. B. 10 Minuten) werden die Reste ausgeschüttet, um das Einfrieren im Eimer zu verhindern.

Da Kälber in der Regel feste Mengen trinken, kann man herausfinden, wie viel Wasser ein Kalb pro Tag benötigt und genau diese Menge warm anbieten, um Reste zu minimieren.

Flexibilität nach Wetterlage: Landwirte sollten den Wetterbericht prüfen. An Tagen, an denen es tagsüber nicht friert, kann das Wasser stehen bleiben. Friert es hingegen nur nachts, werden nach der Abendfütterung die oben genannten Limitierungsstrategien angewendet.

Eine ausreichende Wasserversorgung ist im Winter keine optionale Luxusleistung, sondern trotz praktischer Herausforderungen wie gefrorenen Eimern und Kälte eine Notwendigkeit. Warmes Wasser hilft dem Kalb, Energie zu sparen, fördert die „innere Heizung“ durch Pansenfermentation und verhindert eine Dehydrierung durch die trockene Winterluft.

Die Vorteile der Fermentationswärme

Die bei der Pansenverdauung entstehende Fermentationswärme spielt eine entscheidende Rolle für die Thermoregulation, insbesondere im Winter.

Der Pansen als „innere Heizung“: Der wohl größte Vorteil der Fermentation ist die Wärmeproduktion, die als Nebenprodukt der mikrobiellen Verdauung entsteht. Wenn Wiederkäuer Raufutter oder Starterfutter aufnehmen, wird dieses im Pansen durch Bakterien fermentiert. Dieser Prozess setzt Wärme frei, die dem Tier dabei hilft, seine Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

Niedrigere thermoneutrale Zone: Aufgrund dieser „inneren Heizung“ liegt die thermoneutrale Zone (die Zone, in der das Tier keine zusätzliche Energie aufwenden muss, um sich warm zu halten) bei Wiederkäuern deutlich niedriger als bei Menschen oder Monogastriern.

Energieeffizienz: Im Winter ist diese Wärme ein entscheidender Überlebensvorteil, da das Tier weniger körpereigene Reserven (Fett/Muskeln) verbrennen muss, um nicht auszukühlen.

Entwicklung dieses Vorteils beim Jungtier: Kälber verfügen nicht von Geburt an über diesen Vorteil, da sie physiologisch zunächst wie Monogastrier funktionieren.

Der fehlende „Ofen”: Neugeborene Kälber haben noch keinen funktionierenden Pansen. Die Milch wird am Pansen vorbei in den Labmagen geleitet (Haubenrinnenreflex). Daher fehlt ihnen in den ersten Lebenswochen die Fermentationswärme.

Abhängigkeit von Starterfutter: Damit die „Heizung” anspringt, muss das Kalb festes Futter (Starterfutter) fressen. Die Fermentation von Stärke zu flüchtigen Fettsäuren (Propionat, Butyrat) ist der Motor für die Pansenentwicklung und die damit verbundene Wärmeproduktion.

Bis der Pansen voll entwickelt ist was etwa ab der dritten bis vierten Woche beginnt, der Übergang zur vollständigen Funktionsfähigkeit jedoch oft erst später abgeschlossen ist, ist das Kalb kälteanfälliger. Die untere kritische Temperatur für Kälber unter drei Wochen liegt bei etwa 15 °C. Darunter muss das Kalb Energie für die Wärmeproduktion aufwenden.

Die Rolle des Wassers für die Fermentationswärme: Wasser ist der Katalysator für diesen Wärmeprozess. Ohne Wasser funktioniert die „innere Heizung“ nicht.

Bakterielles Milieu: Pansenbakterien benötigen ein wässriges Milieu, um zu überleben und Futter zu fermentieren. Fehlt freies Wasser, stoppt die Fermentation – und damit auch die Wärmeproduktion.

Der Kälteschock: Wenn Kälber im Winter eiskaltes Wasser (z. B. mit einer Temperatur nahe 0 °C) trinken, sinkt die Temperatur im Pansen drastisch ab. Es dauert bis zu einer Stunde, bis die Temperatur wieder normale Werte erreicht. In dieser Zeit ist die mikrobielle Aktivität – und damit die Wärmeproduktion – gehemmt.

Energetische Kosten: Wenn das Tier kaltes Wasser trinkt, muss es metabolische Energie aufwenden, um das Wasser auf Körpertemperatur zu erwärmen. Diese Energie steht dann nicht für das Wachstum oder die Immunabwehr zur Verfügung.

Die bei der Fermentation entstehende Wärme verschafft Wiederkäuern in der nördlichen Hemisphäre einen deutlichen Vorteil bei Kälte, da der Pansen wie ein biologischer Ofen wirkt. Dieser „Ofen” benötigt jedoch Wasser und Stärke bzw. Faser, um „zu brennen”. Deshalb ist es das Ziel eines jungen Kalbes, diesen Ofen durch die Aufnahme von Starterfutter und Wasser so schnell wie möglich zu „zünden”, um widerstandsfähiger gegen Winterkälte zu werden.

Hirsch im Schnee Viele große Pflanzenfresser in kalten Klimazonen sind Wiederkäuer, die das ganze Jahr über aktiv bleiben. Dazu gehören Hirsche, Elche, Rentiere, Bisons, Yaks und Moschusochsen.

Wassertemperatur

Die Temperatur des aufgenommenen Wassers wirkt sich als thermischer Moderator auf die mikrobielle Aktivität im Pansen aus. Die optimale Pansentemperatur, also die Betriebstemperatur dieses Ökosystems, liegt bei etwa 38 °C bis 39 °C.

Der thermische Schock: Wenn Kälber kaltes Wasser (6–8 °C) trinken, führt dies zu einem sofortigen und drastischen Abfall der Pansentemperatur. Studien haben gezeigt, dass die Temperatur im Pansen nach der Aufnahme von Wasser mit einer Temperatur von ca. 7 °C um 7 bis 15 °C sinken kann.

Erholungszeit: Es dauert etwa eine Stunde, bis die Temperatur im Pansen wieder das physiologische Normalniveau erreicht hat.

Folgen: Während dieser Zeit werden die Fermentationsprozesse der Mikroben gehemmt. Dies kann die Verdauungseffizienz sowie die Entwicklung der Pansenpapillen beeinträchtigen. Warmes Wasser (ca. 37–39 °C) verursacht hingegen nur minimale Temperaturschwankungen.

Hygiene: Das Risiko von warmem Wasser

In warmem Trinkwasser finden bestimmte Bakterien ideale Bedingungen, um sich rasant zu vermehren. Besonders kritisch ist der Temperaturbereich zwischen 20 °C und 45 °C, der auch als „Gefahrenzone“ bezeichnet wird.

In Kombination mit organischen Nährstoffen wie Futterresten, Speichel oder Milch bietet stehendes, warmes Wasser den perfekten Nährboden für pathogene Keime.

Biofilm: Es handelt sich um schleimige Schichten aus Bakterien, die durch eine selbst produzierte Matrix geschützt werden. Deshalb lassen sie sich nur schwer entfernen. Die Bildung von Biofilmen wird durch die Kombination aus Wärme und Nährstoffresten (zum Beispiel Futter oder Speichel) in Trögen begünstigt.

Gegenmaßnahmen: Bei der Bereitstellung von warmem Wasser ist die Einhaltung eines strengen Hygieneplans unerlässlich. Um Biofilme sicher zu entfernen, müssen Eimer und Tröge täglich restlos geleert und in regelmäßigen Abständen fachgerecht gereinigt werden.

Hierbei empfiehlt sich die Verwendung von zugelassenen alkalischen (gegebenenfalls chlorhaltigen) sowie sauren Reinigungsmitteln. Diese sind zwingend in getrennten Arbeitsschritten und unter strenger Beachtung der geltenden Sicherheits- und Herstellervorgaben anzuwenden.

Wie die Trinkwassertemperatur die Pansentemperatur beeinflusst

In der Studie von Dracy und Kurtenbach (1968) wurde der Einfluss der Temperatur der aufgenommenen Flüssigkeit auf die Pansentemperatur von jungen Aufzuchtkälbern im Alter von sechs bis zehn Wochen untersucht. Mithilfe eines Radiotelemetriesystems konnten die Forscher die Pansentemperatur der Tiere kontinuierlich und ohne Störungen erfassen.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Wassertemperatur einen direkten und signifikanten Einfluss auf den Pansen hat.

Bei kaltem Trinkwasser kommt es zu einem rapiden Temperatursturz: Wenn ein Kalb trinkt, fließt die Flüssigkeit schnell in den sogenannten Netzmagen-Pansen-Raum. Dies führt bei kalten Temperaturen zu einem sofortigen und starken Abfall der Pansentemperatur. Dieser Temperaturabfall nach der Fütterung ist das markanteste Merkmal der Temperaturreaktionen.

Der Effekt von 8 °C kaltem Wasser: Die Gabe von 2,5 kg einer auf 8 °C gekühlten Flüssigkeit führte zu einem drastischen Abfall der Pansentemperatur eines Kalbes von 40,1 °C auf 29,1 °C. Es dauerte 52 Minuten, bis sich der Pansen wieder auf annähernd normale 39,8 °C erwärmt hatte. In dieser Phase muss der Körper des Kalbes Energie aufwenden, um den Panseninhalt aufzuwärmen – Energie, die dann nicht für das Wachstum zur Verfügung steht.

Je mehr getrunken wird, desto stärker ist die Wirkung: Eine Untersuchung mit 17 °C kalter Flüssigkeit hat ergeben, dass der Temperaturabfall im Pansen umso stärker ausfällt, je mehr Flüssigkeit aufgenommen wird. So sank die Temperatur bei 1,8 kg um 6,4 °C, bei 2,7 kg um 7,2 °C und bei 3,4 kg im Durchschnitt sogar um 9,1 °C.

Wärmeres Wasser schont den Wärmehaushalt: Wurde eine Flüssigkeit mit einer Temperatur von 27 °C verabreicht, war der abkühlende Effekt auf den Pansen bereits wesentlich geringer. Bei Trinkwasser mit einer Temperatur von 37 °C (3,4 kg) konnte im Pansen dagegen fast keine Temperaturveränderung mehr festgestellt werden.

Fazit für die Praxis: Die Studie belegt, dass die Verabreichung von kaltem Wasser zu einer schnellen und starken Abkühlung des Pansens führt. Je kälter die Flüssigkeit ist und je größer die getrunkene Menge ist, desto stärker ist der Temperatursturz.

Warmes Trinkwasser hingegen schont die optimale Pansentemperatur, unterstützt die mikrobielle Fermentation und vermeidet unnötigen Energieverlust. Gerade in der kalten Jahreszeit ist dies ein entscheidender Faktor für die Gesundheit und Leistung der Kälber.

Betrachten Milchviehhalter Wasser nicht nur als Flüssigkeit, sondern als essenziellen Nährstoff mit spezifischen thermischen Anforderungen, können sie die Gesundheit und Entwicklung ihrer Nachzucht deutlich verbessern.

JDS Artikel

PANSENPHYSIOLOGIE

Temperaturänderung innerhalb des Pansen

Einfluss der Trinkwassertemperatur auf die Pansentemperatur von Kälbern nach der Fütterung

Adaptiert nach Dracy, A.E. & Kurtenbach, A.J. (1968). J. Dairy Science 51(11):1787–1790

Wasserversorgung im Sommer

Die Wasserversorgung bei Hitzestress ist ein kritisches Thema, denn Wasser ist der wichtigste Nährstoff zur Regulierung der Körpertemperatur. Hitzestress bei Kälbern kann zu einer verminderten Futteraufnahme, einem geschwächten Immunsystem sowie einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten führen.

Kalb im Iglu trink Wasser

Der massive Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass Kälber nicht schwitzen. Die Daten zeigen jedoch das Gegenteil, was massive Auswirkungen auf den Wasserbedarf hat. Rinder nutzen apokrine Schweißdrüsen zur Kühlung und nicht das Hecheln. Studien zeigen, dass etwa 80 % des Wärmeverlustes über das Schwitzen und nur 20 % über das Hecheln erfolgen.

Konkrete Zahlen: Ein 60 kg schweres Kalb verliert bei 30 °C etwa 1,7 Liter Wasser durch die Atmung (Hecheln), aber 4,4 Liter durch Schwitzen. Das entspricht einem Gesamtverlust von über 6 Litern pro Tag allein für die Thermoregulation. Sobald die Temperaturen 25–27 °C erreichen, steigt der Wasserbedarf um 33 %. Bei Temperaturen über 32 °C kann sich der Wasserbedarf sogar verdoppeln.

Management-Konsequenz. Da Milch oder Milchaustauscher aufgrund des Haubenrinnenreflexes im Labmagen landet und nicht als „freies Wasser“ im Pansen zur Verfügung steht, dehydrieren Kälber ohne zusätzliches Wasserangebot im Sommer rapide. Dies bremst die Starteraufnahme und das Wachstum massiv.

Interessanterweise ändern Kälber im Sommer ihr Trinkverhalten und nehmen nachts mehr Wasser auf. Deshalb muss Wasser auch nachts verfügbar sein.

Wasserqualität. Die Gefahr im warmen Trog Im Sommer wird die Wasserqualität oft zum limitierenden Faktor, da Wärme das Wachstum von Biofilmen und Bakterien begünstigt. Algen und Bakterien: Warmes Wetter begünstigt das Wachstum von Algen und Bakterien in Trögen. Rinder reagieren empfindlich auf Geruch und Geschmack: Sie nehmen verschmutztes Wasser weniger stark auf, was in einer Hitzesituation fatale Folgen haben kann.

Wie viel Wasser das Kalb physiologisch verliert und ersetzen muss.

Eine Studie aus dem Jahr 1981 zeigt eindrucksvoll: Bei gleicher Fütterung kann ein Kalb bei 21 °C bis zu 30-mal schneller wachsen als bei 3 °C. Der Artikel liefert die physiologischen Hintergründe, warum Temperatur und Wasserversorgung so entscheidend für die Kälberaufzucht sind.

Gebremedhin, K. G. et al. (1981). Predictions and Measurements of Heat Production and Food and Water Requirements of Holstein Calves in Different Environments. Transactions of the American Society of Agricultural and Biological Engineers. 24 (3): 0715-0720.

Studienhintergrund

Hier sind die zentralen Erkenntnisse aus der Studie von Gebremedhin, K. G. et al. (1981).: In der Studie wurde die Wärmeproduktion von Kälbern mittels indirekter Kalorimetrie ermittelt. Darüber hinaus wurde der Einfluss der Umgebungstemperatur auf den Energiehaushalt sowie den Wasserverlust über Atmung und Haut untersucht.

Es wurden drei Holstein-Bullenkälber im Alter von einer bis acht Wochen untersucht. Die Kälber erhielten einen Milchaustauscher im Verhältnis 1:5,5 (Pulver zu Wasser) in einer Menge von zehn Prozent ihres Körpergewichts pro Tag, aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten.

Während der Messungen in den Kammern wurde den Kälbern weder zusätzliches Wasser noch Starterfutter angeboten. Die Ergebnisse zeigen somit den physiologischen Basisbedarf und die Verluste unter einer reinen Milchdiät.

Die Kälber befanden sich in luftdichten Respirationskammern, in denen Temperaturen zwischen 0 °C und 36 °C simuliert wurden.

In der zitierten Untersuchung wurde die relative Luftfeuchtigkeit in den Klimakammern konstant auf 50 Prozent gehalten, um den Einfluss der Temperatur isoliert messen zu können. Obwohl die Studie somit nicht die Auswirkungen schwankender Luftfeuchtigkeit untersuchte, liefert sie entscheidende Daten darüber, wie Kälber die Feuchtigkeit im Stall selbst produzieren.

Die Forschungsergebnisse

Respiratorischer Wasserverlust (Verlust über die Atmung)

Der Wasserverlust über die Atemluft stieg linear mit der Umgebungstemperatur an. Bei Temperaturen zwischen 0 °C und 20 °C verloren die Kälber etwa 15 bis 20 g Wasser pro Stunde über die Atmung. Bei 36 °C wurde ein Maximum von 52 g pro Stunde erreicht.

Kutaner Wasserverlust (Verlust über die Haut)

Bei kalten Temperaturen war der Wasserverlust über die Haut sehr gering. Ab einer Umgebungstemperatur von 20 °C begann er jedoch stark anzusteigen. Ab 24 °C wurde die Verdunstung über die Haut zum wichtigsten Mechanismus der Wärmeabgabe.

Bei Temperaturen über 30 °C erfolgten 80 % der Wärmeabgabe durch Verdunstungskühlung (Schwitzen/Verdunstung). Der totale Wasserverlust durch Verdunstung erreichte bei 36 °C einen Wert von 5,3 g pro kg Körpergewicht und Stunde. Anmerkung: Bei einem 50 kg schweren Kalb entspräche dies einem Wasserverlust von über 250 ml pro Stunde allein durch Verdunstung.

Körpertemperatur

Die rektale Temperatur der Kälber schwankte zwischen 38,0 °C und 39,7 °C. Die Hauttemperatur folgte der Lufttemperatur stärker und variierte zwischen 30,0 °C und 39,0 °C. Besonders an den Extremitäten (Beine, Ohren, Schwanz) sinkt die Temperatur bei Kälte stark ab, um den Körperkern zu schützen.

Wasserbedarf bei Hitze

Ab einer Temperatur von 24 °C, insbesondere aber ab 30 °C, verlieren Kälber durch Verdunstung über Haut und Atmung große Mengen an Wasser. Da Milch nur zu festen Zeiten gefüttert wird, ist es essenziell, dass die Kälber jederzeit Zugang zu Wasser haben, um diesen Verlust auszugleichen und eine Dehydrierung zu verhindern.

Energie im Winter

Die Daten zeigen, dass Kälber bei Temperaturen unter 8 °C enorme Mengen an Energie für die Wärmeproduktion aufwenden müssen. Das Anbieten von warmem Wasser im Winter ist daher eine logische Schlussfolgerung, um dem Kalb keine zusätzliche Energie zu entziehen, die es sonst zum Aufwärmen des kalten Wassers im Pansen benötigen würde. Bei Kälte kann das Wachstum ohnehin schon um den Faktor 30 reduziert sein.

Fazit

Die Studie identifizierte klar definierte Temperaturzonen, die für das Wohlbefinden und das Wachstum der Kälber von Bedeutung sind.

Die thermoneutrale Zone lag für die Kälber zwischen 15 °C und 29 °C. In diesem Bereich war die Wärmeproduktion minimal und konstant.

Kältestress: Bei Temperaturen unter 8 °C stieg die Wärmeproduktion deutlich an. Das Kalb musste metabolische Energie aufwenden, um die Körpertemperatur zu halten, statt zu wachsen.

Hitzestress: Ab 24 °C stieg die Wärmeproduktion leicht an.

💧 Wasserverlust-Rechner

Bitte berechnen Sie die täglichen Wasserverluste von Kälbern bei unterschiedlichen Temperaturen und Körpergewichten.

Atemwasserverlust: 0 Liter
Hautverdunstung: 0 Liter
Gesamtverlust: 0 Liter / Tag

Tabelle 1: Atemwasserverlust (Liter pro Tag)

Wasserverlust über die Lungen (z.B. durch Hecheln).

Temp. 45 kg50 kg55 kg60 kg65 kg 70 kg75 kg80 kg85 kg90 kg
0 °C0,320,360,400,430,470,500,540,580,610,65
10 °C0,320,360,400,430,470,500,540,580,610,65
20 °C0,460,510,560,610,660,710,760,810,860,92
25 °C0,640,710,780,860,931,001,071,141,211,28
30 °C0,830,921,011,101,191,281,381,471,561,65
35 °C1,011,121,231,341,461,571,681,791,912,02
40 °C*1,191,321,461,591,721,851,992,122,252,38

Tabelle 2: Hautverdunstung (Liter pro Tag)

Wasserverlust über die Haut (Schwitzen). Dies ist bei Hitze der größte Faktor.

Temp. 45 kg50 kg55 kg60 kg65 kg 70 kg75 kg80 kg85 kg90 kg
0 °C0,160,180,200,220,230,250,270,290,310,32
10 °C0,160,180,200,220,230,250,270,290,310,32
20 °C0,560,630,690,750,810,880,941,001,061,13
25 °C1,932,152,362,582,793,013,223,443,653,87
30 °C3,313,674,044,414,785,145,515,886,246,61
35 °C4,685,205,726,246,767,287,808,328,849,35
40 °C*6,056,727,398,078,749,4110,0810,7511,4312,10
* Werte für 40 °C sind basierend auf den Modellen extrapoliert.