Trockene Luft: Die kalte Winterluft ist sehr trocken. Wenn
man den Atem des Kalbes sieht, dann ist das die Feuchtigkeit, die den Körper
verlässt.
Das Kalb atmet trockene Luft ein und feuchte Luft aus. Das führt zu
einem ständigen Wasserverlust über die Atmung. Dadurch verliert es mehr
Körperwasser als bei wärmeren Luftbedingungen, wie sie im Frühling oder
Sommer herrschen.
Kälber benötigen Wasser, um diesen Verlust auszugleichen und ihre
Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten.
Wasser als Energiesparmaßnahme. Im Winter haben Kälber einen
erhöhten Erhaltungsbedarf, um ihre Körpertemperatur zu halten. Die Art der
Wasserversorgung beeinflusst diese Energiebilanz direkt: Trinkt ein Kalb eiskaltes
Wasser, muss es körpereigene Energie aufwenden, um das Wasser im Körper auf
Körpertemperatur zu erwärmen.
Diese Energie steht dann für Wachstum und das Immunsystem nicht zur
Verfügung.
Das Anbieten von warmem Wasser (ca. 39 °C oder zumindest 16–18 °C)
reduziert den Energieverlust der Kälber und spart Futter. Es ist eine
der kostengünstigsten Methoden, um Kälber im Winter energetisch zu
unterstützen.
Die Temperatur des Trinkwassers scheint das Trinkverhalten
und die Leistungsfähigkeit der Tiere zu beeinflussen. Haben Kälber die Wahl
zwischen verschiedenen Wassertemperaturen, bevorzugen sie Wasser mit moderaten
Temperaturen (17 bis 28 °C) gegenüber sehr kaltem oder sehr heißem Wasser.
Der „Rumen-Schock” und die innere Heizung. Die Aufnahme
von festem Futter (Starter) ist im Winter besonders wichtig, da bei der Fermentation
im Pansen Wärme produziert wird. Der Pansen wirkt also wie eine innere Heizung
für das Kalb. Studien zeigen jedoch, dass das Trinken von kaltem Wasser (ca.
8 °C) die Temperatur im Pansen drastisch senken kann.
Es dauert bis zu einer Stunde, bis die Pansenmikroben wieder ihre
normale Arbeitstemperatur erreichen. In dieser Zeit sind Verdauung und
Wärmeproduktion gehemmt.
Kälber fressen nur ausreichend Starter, wenn sie dazu Wasser trinken.
Fehlt das Wasser (weil es gefroren ist), sinkt die Futteraufnahme und
das Kalb friert schneller.
Praxis-Tipps für das Wintermanagement. Um die Wasseraufnahme
bei Frost zu sichern, werden folgende Strategien empfohlen: - Warm anbieten:
Studien aus Finnland zeigten, dass Kälber, denen warmes Wasser angeboten wurde,
über die gesamte Aufzucht hinweg mehr tranken als Kälber, die kaltes Wasser
erhielten. Huuskonen et al. Effect of drinking water temperature on water intake
and performance of dairy calves. Journal of Dairy Science, 2011, 94:2475-2480.
Der Zeitpunkt ist entscheidend. Bieten Sie warmes Wasser
(ca. 30–38 °C) direkt nach der Milchmahlzeit oder etwa 30–60 Minuten danach
an. Die Kälber lernen schnell, das Wasser zu trinken, bevor es gefriert.
Tränken und Leeren. Bei dieser bewährten Methode wird den
Kälbern warmes Wasser angeboten. Die Kälber trinken, und nach einer gewissen
Zeit (z. B. 10 Minuten) werden die Reste ausgeschüttet, um das Einfrieren
im Eimer zu verhindern.
Da Kälber in der Regel feste Mengen trinken, kann man herausfinden,
wie viel Wasser ein Kalb pro Tag benötigt und genau diese Menge warm
anbieten, um Reste zu minimieren.
Flexibilität nach Wetterlage: Landwirte sollten den Wetterbericht
prüfen. An Tagen, an denen es tagsüber nicht friert, kann das Wasser stehen
bleiben. Friert es hingegen nur nachts, werden nach der Abendfütterung die
oben genannten Limitierungsstrategien angewendet.
Eine ausreichende Wasserversorgung ist im Winter keine optionale
Luxusleistung, sondern trotz praktischer Herausforderungen wie
gefrorenen Eimern und Kälte eine Notwendigkeit. Warmes Wasser hilft
dem Kalb, Energie zu sparen, fördert die „innere Heizung“ durch
Pansenfermentation und verhindert eine Dehydrierung durch die
trockene Winterluft.